Aktienoptionen setzen oft falsche Anreize
Investoren, die Aktien eines Unternehmens kaufen, erwarten vor allem eins: steigende Kurse. Ob das Ziel erreicht wird, liegt in erster Linie an den operativen Entscheidungen des jeweiligen Managements. Was lag da näher, als einen Teil der Vorstandsvergütung direkt an den Aktienkurs zu koppeln. Aus dieser Idee sind die so genannten Aktienoptionsprogramme entstanden. Was zunächst wie die ideale Lösung aussah, um die Interessen von Anteilseignern und Managern zu synchronisieren, gerät nun zunehmend in die Kritik.
Erste Dellen hatte das Konstrukt bereits zu Zeiten der Internet-Euphorie in den Jahren 1999 bis 2001 bekommen. Vor allem in den USA hatten einige Manager selbst vor Bilanzfälschungen nicht zurückgeschreckt, um Kurse und Einkommen nach oben zu drücken. Doch damit nicht genug. Nun zeigt eine Studie, dass diese Vergütungsform nicht nur manipulierbar ist, sondern zudem falsche Anreize setzt. Durchschnittlich erhielten die Vorstandsvorsitzenden der 950 analysierten US-Gesellschaften zwischen 1993 und 2000 ein Viertel ihres Salärs in Optionen. Je höher dieser Anteil war, desto größer waren Kursschwankungen und Investitionen, zum Beispiel für Firmenkäufe. Unternehmen, deren Chefs überdurchschnittlich viel mit Optionen entlohnt wurden, kamen auf einen jährlichen Kursgewinn von 26 Prozent. Die Gesellschaften, die sich mit Optionen zurückhielten, erzielten eine Performance von durchschnittlich 36,5 Prozent pro Jahr. Zu erklären ist das wohl damit, dass das Verlustrisiko zu gering ist und die Konzernleitung zu riskanten Entscheidungen verleitetet werden. Die in jüngster Zeit populärer gewordene Alternative, die Vorstände direkt mit Anteilscheinen zu bezahlen, dürfte das Interesse von Aktionären und Management besser unter einen Hut bringen.
Ulrich Hocker

