Aventis

Frage: In meinem Depot habe ich auch Aventis-Aktien. Nun liegt das Übernahmeangebot von Sanofi-Synthélabo auf dem Tisch. Geboten werden fünf Sanofi-Aktien plus 69 Euro für sechs Aventis-Aktien. Ist der angebotene Preis in Ordnung?

Friedhelm B. aus Bad Schwartau

Antwort: Zu beachten ist, dass es sich hier nicht um ein reines Cash-Angebot handelt, sondern um einen Aktientausch mit Barkomponente. Damit tragen Sie als Aventis-Aktionär ein doppeltes Risiko. Zum einen das Risiko des angemessenen Preises für Ihre Anteile. Zum anderen steht nicht fest, ob die Sanofi-Papiere, die Sie im Tausch bekommen würden, sich wirklich so gut entwickeln, wie vorhergesagt. Auf jeden Fall ist ein spannender Übernahmekampf zu erwarten. Folgende Alternativen sind denkbar: Aventis findet ein Unternehmen wie Novartis, das als „weißer Ritter“ einspringt. Möglich wäre auch, dass Aventis Sanofi im Rahmen eines „reverse take-over“ übernimmt. Am wahrscheinlichsten scheint mir allerdings, dass Sanofi sein derzeitiges Angebot erhöht. Die aktuelle Offerte ist nicht sehr

attraktiv. Kein Wunder, dass sich auch das unabhängige Aktionärskomitee von Aventis, das aus Vertretern französischer und deutscher Aventis-Aktionäre besteht, gegen eine Annahme ausgesprochen hat. Entscheidend für den Ausgang wird aber sein, wie die Großaktionäre von Aventis, zum Beispiel die Kuweit Petroleum Corporation, auf eine neue, erhöhte Offerte reagieren.

Die französische Börsenaufsicht hat das Angebot erst vor kurzem zugelassen. Nach französischem Übernahmegesetz begann damit eine 15-Tagesfrist, in der Aktionäre beim zuständigen Gericht Rechtsmittel gegen das Angebot einlegen können. Allerdings ist die Höhe des Preises kein ausreichender Grund für eine solche Klage. Dabei geht es vielmehr um formale Fehler.

Jell Benner-Heinacher