DSW/dips Dividendenstudie 2013

Teilnehmer:

Prof. Dr. Eric Frère, Direktor des dips

Christiane Hölz, DSW-Landesgeschäftsführerin NRW

Prof. Dr. Roland Klose, Mitglied des DSW-Präsidiums und des dips-Fachbeirats

Christian W. Röhl, Fachbeiratsvorsitzender des dips und des dips-Fachbeirats

Jürgen Kurz, DSW-Pressesprecher

 

Es gilt das gesprochene Wort

Rednerin Christiane Hölz

 

Meine Damen und Herren,

das Börsenjahr 2012 war – zumindest was Deutschland betrifft – nahezu perfekt. Der DAX legte um rund 29 Prozent von 5900 auf 7600 Punkte zu. Viele Aktiengesellschaften erwirtschafteten trotz der nach wie vor schwelenden Krise Rekordergebnisse. Die Dividendenausschüttung der im DAX notierten Unternehmen lag 2012 mit 27,8 Milliarden Euro um 5,3 Prozent über dem Vorjahreswert.

 

Das Jahr 2013 hat, was die Kursentwicklung angeht, bisher nicht an diese Erfolge anknüpfen können. Bei knapp 7780 Punkten lag der Index zu Anfang des Jahres. Nach einem kurzen Blick über die 8000er-Marke folgte der Rückschlag. Die Reaktion der Märkte zeigt, dass die Lage nach wie vor sehr fragil ist. Die Krise ist eben doch noch nicht vorbei und kann jederzeit wieder aufflammen.

 

Gerade in einer solchen Situation wird klar, wie wichtig Dividendenausschüttungen für die Aktionäre sind. Historisch betrachtet wird immerhin ein Drittel des Gesamtertrags mit dieser jährlichen Abschlagszahlung erzielt.

 

Grund genug, diesen wichtigen Ertragsteil im Rahmen der Dividendenstudie, die wir nun schon das vierte Mal gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Portfolio-Strategien an der FOM Hochschule dips vorlegen, genau unter die Lupe zu nehmen.

 

Ohne den Autoren der Studie allzuweit vorgreifen zu wollen, kann man sagen, dass die Dividenden aufgrund des guten Geschäftsjahres 2012 nochmals über den Zahlen des Vorjahres liegen.

 

Nach dem Sprung 2012, als die Gesamtausschüttung aller untersuchten Aktiengesellschaften um gut 7 Prozent auf 34,8 Milliarden Euro gestiegen ist, legen die Dividenden in diesem Jahr um weitere 5,4 Prozent auf 36,7 Milliarden Euro zu. Damit wird der bisherige Rekord von über 38 Milliarden Euro aus dem Jahr 2008 zwar erneut nicht erreicht. Trotzdem können die Aktionäre zufrieden sein – zumindest auf den ersten Blick.

 

Insgesamt schütten in diesem Jahr 42 Prozent aller knapp 700 analysierten Werte eine Gewinnbeteiligung aus. Das ist die höchste prozentuale Quote ausschüttender Emittenten der vergangenen Jahre. 2012 waren es 40,2 Prozent. 2011 lag der Wert bei 33,1 Prozent. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass trotz hoher Unternehmensgewinne immer noch 58 Prozent der Gesellschaften keine Dividende an ihre Anteilseigner auskehren.

 

Wenn man genauer hinsieht, zeigt sich, dass das Bild nicht einheitlich ist. Während in DAX, MDAX, SDAX und TecDAX die Quote der Dividendenzahler mit 85 Prozent einen neuen Rekordwert erreicht, bleibt das Nebenwertesegment eine Enttäuschung. Hier stagniert der Anteil ausschüttender Emittenten bei knapp einem Drittel.

 

Doch zurück zu den Ergebnisse:

 

Im DAX liegt die Quote mit 90 Prozent der ausschüttenden Unternehmen unter Vorjahresniveau (96,7 Prozent). Mussten im vergangenen Jahr lediglich die Aktionäre der Commerzbank auf eine Ausschüttung verzichten, fallen 2013 mit ThyssenKrupp und der Lufthansa gleich zwei weitere Gesellschaften aus. Insgesamt zahlen die verbleibenden 27 deutschen Schwergewichtsaktien 27,9 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner. Das sind 0,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

 

Der Anteil des DAX am Gesamtdividendenvolumen aller untersuchten Aktiengesellschaften beträgt damit 76 Prozent. 2012 hatte der Anteil bei knapp 80 Prozent gelegen. Der Rückgang ist insbesondere auf den Anstieg im MDAX (von 3,5 auf 4,9 Milliarden) und im TecDAX zurückzuführen. Bei den Technologiewerten liegen die Ausschüttungen mit gut 1 Milliarde Euro mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr.

 

Trotz der insgesamt hohen Gesamtsumme bleiben die Ausschüttungsquoten auch in den höheren Segmenten aber nach wie vor hinter unseren Erwartungen zurück.

 

Nicht einmal ein Fünftel der DAX-, MDAX-, SDAX- und TecDAX-Unternehmen schüttet mindestens die Hälfte des Ergebnisses je Anteilsschein an die Aktionäre aus. Zumeist liegt die Quote um die 40 Prozent. Dass Unternehmen in liquiden Zeiten Mittel horten, ist zwar bis zu einem gewissen Grad verständlich, aber zu groß darf die Diskrepanz zwischen Gewinn- und Dividendenwachstum auch nicht werden. Schließlich wird mit der Dividende nicht zuletzt auch das Vertrauen der Anteilseigner entlohnt.

 

Grundsätzlich fordert die DSW, dass 50 Prozent des Konzernergebnisses ausgeschüttet werden. Schließlich gilt es, die Anteilseigner, die das Kapitalrisiko tragen, in angemessener Weise an dem Unternehmensgewinn zu beteiligen. Die 50-Prozent-Quote ist natürlich nicht in Stein gemeißelt. Es muss immer auch der Einzelfall betrachtet werden. So sind wir bei Unternehmen in stürmischen Wachstumsperioden insbesondere aus dem High-Tech-Bereich durchaus damit einverstanden, wenn über einen begrenzten Zeitraum nur 20-30 Prozent ausgeschüttet werden.

 

Daher werden wir in der laufenden Hauptversammlungssaison die Dividendenstrategie der Unternehmen sehr kritisch hinterfragen. Unser Ziel ist eine möglichst kontinuierliche, für den Anteilseigner nachvollziehbare Dividendenentwicklung, die eine faire Beteiligung der Anteilseigner an den erzielten Gewinnen zur Folge hat.

 

Besonders im Fokus werden dabei natürlich die Unternehmen stehen, die trotz erzielter Gewinne keine Dividende zahlen, sowie die Gesellschaften, die ihre Ausschüttung mangels Gewinn aus der Substanz holen müssen.

 

Nun aber zu den versprochenen Einzelergebnissen unserer Untersuchung. Ich übergebe hierfür das Wort an Herrn Professor Klose, der das Projekt und die daran beteiligten Personen vorstellen wird.

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.