DSW sieht Börsengang von Foto-App Snapchat kritisch

Im März soll es soweit sein: Mit dem Betreiber der Foto-App Snapchat könnte dann eine weitere große Hoffnung der Online-Community an die Börse gehen. Snapchat ist gerade für junge Smartphone-Nutzer ein absolutes Muss, bietet es doch die Möglichkeit, Fotos und Videos zu teilen, die nach kurzer Zeit wieder gelöscht werden. Immerhin fast 160 Millionen Menschen nutzen den Dienst täglich. Entsprechend hochfliegend sind die Erwartungen. „Wir sehen diesen Börsengang durchaus skeptisch. Neben der sehr hohen Bewertung des Unternehmens von rund 21,5 Milliarden Euro, kommt hinzu, dass wohl nur stimmrechtslose Aktien an den Markt kommen werden. Die Neuaktionäre dürfen zwar ihr Geld geben, Einfluss sollen sie aber nicht bekommen“, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz).

Nur zum Vergleich: Der im DAX30 notierte Markenartikler Beiersdorf wird aktuell mit knapp 21 Milliarden Euro bewertet. Das Unternehmen setzte 2016 etwa 6,7 Milliarden Euro um und erwirtschaftete einen Gewinn vor Steuern von knapp 970 Millionen Euro. Snapchat wiederum wies für das Geschäftsjahr 2016 bei einem Umsatz von gut 375 Millionen Euro einen Verlust von mehr als 480 Millionen Euro aus. Im Vorjahr lag der Verlust bei 350 Millionen Euro bei einem Umsatz von 320 Millionen Euro.

Die von Snapchat favorisierte Idee, zukünftig vor allem mit Werbung Geld verdienen zu wollen, wird wohl vor allem Twitter-Aktionären bekannt vorkommen. Der Kurznachrichtendienst wies zur Zeit seines Börsengangs im November 2013 Umsätze von einer halben Milliarde Euro aus und produzierte Verluste in Höhe von gut 133 Millionen Euro. Geld sollte mit Werbung verdient werden. Gelungen ist das bisher nicht. Twitter macht nach wie vor Verlust. „Der Twitter-Kursverlauf ist ein Paradebeispiel für eine Gesellschaft, die mit hohen Erwartungen gestartet ist, die dann nicht vollständig erfüllt werden konnten“, so Tüngler. Gewinne machten am Ende vor allem die Anleger, die den frühzeitigen Ausstieg wählten. „Wer heute noch dabei ist und die Aktie damals zum ersten Kurs von rund 38 Euro gekauft hat – deutsche Anleger hatten ja kaum die Chance, direkt beim Börsengang einzusteigen und den Emissionspreis von knapp 24 Euro zu zahlen – sitzt mittlerweile auf einem Verlust von 54 Prozent“, sagt Tüngler. Das sei zumindest ein Grund, über einen Einstieg bei Snapchat erst einmal intensiv nachzudenken und sich vor allem über das hohe Risiko bewusst zu sein, so der Anlegerschützer weiter.

Pressemitteilung vom 14. Februar 2017

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