Fremdkapital als Einfallstor zur Macht
Viele deutsche Unternehmen sind nach wie vor unterbewertet und deshalb relativ preiswert zu haben. Kein Wunder also, dass besonders ausländische Finanzinvestoren hierzulande gut verdienende Mittelständler fast pfundweise aufkaufen. Ziel der Private-Equity-Manager ist in der Regel der Börsengang. Das Beispiel WincorNixdorf hat gezeigt, wie erfolgreich dieses Modell auch für Anleger sein kann. Vorausgesetzt, der Börsenkandidat ist ein Unternehmen, das Gewinne macht und zu einer fairen Bewertung aufs Parkett kommt.
Langsam aber sicher etabliert sich nun eine für die betroffenen Unternehmen deutlich unangenehmere Form der Machtübernahme durch fremde Aufkäufer. Genutzt wird dabei der schon traditionell hohe Verschuldungsstand mittelständischer Unternehmen in Deutschland. Dabei gilt das Interesse der Investoren nicht dem Eigenkapital sondern dem Fremdkapital. Besonders gefährdet sind Gesellschaften, die trotz großer Substanz in einer problematischen wirtschaftlichen Situation stecken.
Die Idee ist so einfach wie wirksam: Erworben werden Anleihen oder Kreditforderungen. Die Stunde der Finanzinvestoren, die ihren Sitz meist in Großbritannien haben, schlägt, sobald die ausgesuchte Gesellschaft in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Jetzt können die neuen Geldgeber Druck ausüben. Ihr Druckmittel ist nichts anderes als die Drohung mit der möglichen Insolvenz. Kredite werden beim kleinsten Zahlungsverzug fällig gestellt, die Bedienung von Anleiheschulden nicht gestundet. Das Ziel ist immer das Gleiche: die Macht im Unternehmen. Während Besitzer von Eigenkapital kein Interesse an einer solch extremen Entwicklung haben, können Fremdkapitaleigner dies in aller Ruhe aussitzen. Wissen sie doch, dass ihre Ansprüche im Falle einer tatsächlichen Pleite als erste befriedigt werden. Eigenkapitalbesitzer gehen dagegen meist leer aus.
Ulrich Hocker

