Globalisierung ist besser als ihr Ruf

Nach wie vor hat der Begriff „Globalisierung“ hierzulande einen negativen Klang. Daran hat auch der konjunkturelle Aufschwung nur wenig ändern können. Dabei profitiert gerade Deutschland wegen seiner exportlastigen Wirtschaft überproportional von den Möglichkeiten eines weltweiten Handels. Neuere Analysen belegen nun, dass die viel und gern gescholtene Globalisierung im wahrsten Sinne des Wortes „global“ den Wohlstand mehrt. So ist die Weltwirtschaft 2006 erneut um und 5 Prozent gewachsen. Und auch für die kommenden beiden Jahre sieht es gut aus, falls sich die Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) für 2007 und 2008 bewahrheiten sollten. Die IWF-Experten rechnen mit einem Plus von jeweils 4,9 Prozent. Das Wachstum ist zudem gut verteilt. Es findet sowohl in den Industrienationen statt, wo Japan und Europa ihre Schwächephase überwunden haben, als auch in Entwicklungs- und Schwellenländern. Deren Bruttoinlandsprodukt hat in den letzten vier Jahren durchschnittlich um gut 7 Prozent jährlich zugenommen. Zwar haben die beiden Schwergewichte Indien und China hiervon am stärksten profitiert. Doch auch in anderen Regionen sind Wachstumsraten von deutlich über 5 Prozent mittlerweile die Regel. Nahm das reale Pro-Kopf-Einkommen in Entwicklungs- und Schwellenländern in den Jahren 1989 bis 98 um jährlich 2,1 Prozent zu, wird für die Periode 1999 bis 2008 ein Plus von 5,1 Prozent erwartet. Die Quote der in Armut lebenden Menschen hat daher stetig abgenommen. Die oft verteufelte Globalisierung hat zu dieser positiven Entwicklung viel mehr beigetragen als jede Entwicklungshilfe. Dauerhaft wird der weltweite Aufschwung aber nur Bestand haben können, wenn die Politiker nicht der Versuchung erliegen, wieder zu protektionistischen Maßnahmen zu greifen.

 

Ulrich Hocker