Kursziele sind meist das Papier nicht wert
Manchmal kann es einem schon etwas unheimlich werden. Seit mittlerweile vier Jahren kennen die Aktienmärkte weltweit – von einigen Korrekturphasen einmal abgesehen – eigentlich nur eine Richtung: nach oben. Doch nicht nur die Aktienkurse sind nach ihrem tiefen Fall im Jahre 2001 wie ein Phönix aus der Asche gestiegen. Gleiches ist im Zuge des aktuellen Börsenbooms auch den Analysten gelungen. Nach dem Crash lag die Reputation dieser Berufsgruppe in der Öffentlichkeit bei Null. Kein Wunder, waren es doch die smarten Banker, die auf immer weiter steigende Kurse setzten. Von Skepsis gegenüber lächerlich hohen Bewertungen war selbst kurz vor Ende der Börsenparty wenig zu hören. Heute haben Analysten nach einer längeren Durststrecke wieder Hochkonjunktur. Da werden munter Kursziele genannt und kurz danach deutlich nach oben korrigiert, Kauftipps gegeben oder über die Börsenstars von morgen philosophiert.
Sicher ist die heutige Situation mit der zwischen 1999 und 2001 nicht vergleichbar. Stiegen damals die Kurse doch weitgehend im luftleeren Raum. Das aktuelle Plus ist dagegen durchaus von entsprechenden Gewinnsteigerungen unterfüttert. Trotzdem sollten die Anleger nicht allzu viel Wert auf die lauten Lockrufe der Analysten geben. Die kurzfristigen Kursverläufe von Wertpapieren gleichen schließlich einem so genannten „Random walk“, zu Deutsch: einer „Irrfahrt“. Sie entwickeln sich weitgehend zufällig und sind – außer vielleicht für Insider – nicht wirklich vorhersagbar. Das gilt sowohl für professionelle als auch für private Investoren. Daher deutet die Ausgabe von Kurszielen und das Anpreisen von Geheimtipps freundlich interpretiert auf eine gewisse Selbstüberschätzung hin. Kritisch betrachtet, könnte man es auch einfach unseriös nennen.
Ulrich Hocker

