Leiser Abschied aus Deutschland

Kaum hatte der britische Mobilfunkkonzern Vodafone den deutschen D2-Anbieter Mannesmann übernommen, begannen die Enttäuschungen. Die großzügige Zusage, das Gros der Arbeitsplätze am Traditionsstandort Düsseldorf zu erhalten, konnte auf einmal nicht mehr vollständig eingehalten werden. Ebenfalls getroffen wurde die Stadt. Sie verlor mit Mannesmann ein engagiertes Unternehmen und bekam eine Gesellschaft, deren Wurzeln und Interessen in England liegen. Für lokale Belange hat da kaum jemand ein Ohr. Arg gebeutelt wurden auch die Aktionäre, die den vollmundigen Versprechungen auf goldene Mobilfunkzeiten geglaubt hatten, und ihre Mannesmann-Aktien nicht an der Börse verkauften, sondern gegen Vodafone-Papiere tauschten. Wie weit der britische Konzern von Deutschland und den Interessen der Anleger hierzulande inzwischen entfernt ist, zeigt die neueste Maßnahme: Vodafone plant, das Listing an der Frankfurter Börse komplett einzustellen. Damit entfällt beispielsweise die Pflicht, ad-hoc-Mitteilungen in deutscher Sprache zu veröffentlichen.

Wer Mannesmann-Chef Klaus Esser einst verwünschte, weil der am 13. November 1999  ankündigte, er beabsichtige den Kauf des britischen Mobilfunkanbieters und Vodafone-Rivalen Orange, ist in den letzten Monaten vielfach bestätigt worden. Mit dieser Ankündigung aus der Düsseldorfer Mannesmann-Zentrale begann schließlich vor fast genau vier Jahren die Übernahmeschlacht. Für Vodafone-Boss Chris Gent war das eine Kampfansage. Nach einer gescheiterten freundlichen Übernahme wandte Gent sich direkt an die Mannesmann-Aktionäre. 120 Milliarden Euro wollte der smarte Gentleman den Anteilseignern zahlen. Die endgültige Entscheidung zugunsten von Vodafone fiel im Februar 2000. 190 Milliarden Euro kostete es den britischen Mobilfunkanbieter, die Kontrolle über Mannesmann zu bekommen.

Ulrich Hocker