Rating-Agenturen stehen vor Veränderungen
Im Zuge der US-Hypothekenkrise geraten die großen Rating-Agenturen Standard & Poor’s (S&P) und Moody’s zunehmend unter Druck. So hat US-Präsident Georg W. Bush ein Gremium damit beauftragt, die Rolle der Agenturen in der Krise genau zu analysieren. Bereits in einer Anhörung des Kongresses waren die Unternehmen nicht gut weggekommen. Der Vorwurf, dass oft zu lange mit der Herabstufung kritischer Papiere gewartet wurde, konnte nicht entkräftet werden. Kein Wunder, verloren doch manche Anleihen teilweise mehr als die Hälfte ihres Wertes, ehe die Bonitätswächter reagierten. Von einigen Senatoren wurde als Konsequenz aus der Hypothekenkrise gar das ganze Geschäftsmodell in Frage gestellt, das darauf beruht, dass Emittenten für die Bewertung ihrer Produkte bezahlen. Nicht nur die Politik ist aktiv. Die US-Börsenaufsicht SEC fahndet nach Anhaltspunkten, dass Emittenten und Investmenthäuser Druck auf die Rating-Anbieter ausgeübt haben, den von ihnen auf den Markt gebrachten Papieren eine hohe Bonität zu bescheinigen. Geprüft wird auch, ob die Agenturen ihre Unparteilichkeit gefährdeten, als sie Bonitätsnoten für Verbriefungen von Hypotheken verteilten und zugleich Wall-Street-Häuser berieten, wie solche Schuldverschreibungen zu verpacken seien, um höhere Einstufungen zu erreichen. Zwar ist es wohl nicht die Absicht der obersten Börsenaufseher, den Kreditbewertern künftig die Methodik vorzugeben. Es wurde aber nicht ausgeschlossen, dass die SEC die Befugnis benötigt, den Agenturen Rating-Rechte zu entziehen, wenn Einstufungen sich als falsch erweisen. Wie arg es am Ende für die blamierten Bonitätsprofis wird, ist noch nicht klar. Um deutliche Veränderung werden die Agenturen aber nicht herum kommen, soviel steht jetzt schon fest.
Ulrich Hocker

