Vorstände sind allen Aktionären verpflichtet
Vorstände sollen sich ausschließlich für ihre Unternehmen einsetzen. Im Prinzip eine Selbstverständlichkeit. Da es meist aber doch eines zusätzlichen Ansporns bedarf, wurde eine Vielzahl von Vergütungsmodellen entwickelt, die den Einsatzwillen in den Chefetagen steigern sollen. Da gibt es kurzfristige variable Gehaltsanteile, die am Ergebnis je Aktie oder an der Dividende hängen. Langfristig werden Kennzahlen wie das „Economic Value Added“ (EVA) genutzt. Mehr Geld wird in der Regel gezahlt, wenn Planzahlen übertroffen werden. Weiter existiert eine Vielzahl Aktienoptionspläne, die den Begünstigten ein lukratives Zusatzeinkommen bescheren, wenn sich der Aktienkurs des Unternehmens positiv entwickelt. Nun kann man sicher zu jedem der Vergütungsmodelle eine eigene Ansicht haben. Wir sehen beispielsweise die Dividende nicht gern als Gradmesser für Gehaltszahlungen. Auch viele Aktienoptionspläne sind uns zu wenig leistungsorientiert. Ein Negativbeispiel ist der Chiphersteller Infineon. 0,7 Prozent Kursplus im Jahr reichen aus, um den Vorständen zusätzliches Geld in die Kassen zu spülen. Kaum eine Steigerungsrate, die den Aktionären Tränen der Freude in die Augen schießen lässt. Bei aller Kritik steht eines außer Frage: Ziel ist es, die Manager zu mehr Leistung für das eigene Unternehmen anzuspornen.
Leider gibt es einen Trend, Vorstände am Erfolg anderer Unternehmen teilhaben zu lassen. Damit wird die notwendige Konzentration auf die eigene Gesellschaft sicher nicht gefördert. Augenfällig ist dies bei der Wella AG. Die Chefs des Kosmetikunternehmens werden an einem Aktienoptionsplan von Procter&Gamble, dem neuen Wella-Besitzer, beteiligt. Das ist nicht der richtige Weg. Die Wella-Chefs sind allen Aktionären verpflichtet. Es kann nicht sein, dass über die Vergütung dafür gesorgt wird, dass sich die Manager hauptsächlich für die Interessen des Großaktionärs einsetzen.
Ulrich Hocker

