Was kostet eigentlich der Betriebsrat?
Es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben. Am schönsten ist es natürlich, wenn man nicht selbst für den ausschweifenden Lebensstil aufkommen muss, sondern einen großzügigen Gönner hinter sich weiß. In der Welt der Wirtschaft ist so etwas heute kaum noch denkbar. Überall regiert schon seit Jahren der Rotstift. Aus stolzen Businessfliegern wurden sparsame Economy-Nutzer. Wo früher ein Vier-Sterne-Hotel Standard war, hört heute die Großzügigkeit der Unternehmen für Geschäftsreisende bereits bei drei Sternen auf.
Doch offensichtlich gibt es sie doch noch, die kleinen, geschützten Oasen des Glücks, in die bisher kein Controller seinen prüfenden Blick werfen durfte. Obwohl es schon überrascht, sie gerade bei den tüchtigen, aufrechten und unkündbaren Arbeitnehmervertretern von Volkswagen zu finden. Da wurde auf Kosten des Unternehmens – mal mit, mal ohne Anhang – in ferne Länder gereist. Und wenn für die Spesenabrechnung nicht alle Quittungen zur Hand waren, wurde eben rasch ein Eigenbeleg geschrieben: „im Sinne des Unternehmens ausgegeben.“
Das „System Volkswagen“ hat sich über Jahrzehnte hinweg bei den Wolfsburgern entwickelt und etabliert. Der Fall zeigt mehr als deutlich, wohin eine zu große Nähe zwischen Management und Betriebsräten führen kann. Für das Unternehmen notwendige Entscheidungen werden nicht oder nur halbherzig getroffen. Die Gesellschaft gerät gegenüber Mitbewerbern ins Hintertreffen.
Die Zeche hierfür zahlt niemand anderes als der Aktionär. Auch wenn es in anderen Unternehmen nicht zu solchen Großzügigkeitsexzessen gekommen sein sollte, ist mehr Transparenz in diesem Bereich dringend geboten. Die Anteilseigner haben ein Recht, zu erfahren, was die hauptamtlichen Arbeitnehmervertreter das Unternehmen kosten.
Ulrich Hocker

