Anlageberatung zu nachhaltigen Produkten: Investoren zurückhaltend – wenig Klarheit in den Vorgaben

 

 

 

 

Düsseldorf, 18.10.2022 – Seit dem 2. August 2022 sind Anlageberater aufgefordert, ihre Kunden nach ihren Nachhaltigkeits-Präferenzen zu fragen. Dies hat die DSW zum Anlass genommen bei erfahrenen Kapitalanlegern einmal genauer nachzufragen. Hier ist das interessante Ergebnis:

So haben die Antworten zunächst gezeigt, dass die „semi-professionellen“ Anleger bei möglichen Anlagen in ESG-Produkten eine zurückhaltende Skepsis zeigen und vor allem auf ihre Risikostreuung im Portfolio achten.

Rund 36 Prozent der privaten Anleger gaben an, dem Rat des Beraters gefolgt zu sein; rund 64 Prozent verneinten dies. Mehr als die Hälfte der Befragten erklärte, dass die Beratung eher nicht den eigenen Erwartungen entsprochen habe. Sofern diese privaten Anleger bereit waren, in nachhaltige Produkte zu investieren, hielt annähernd die Hälfte (46,7 Prozent) einen Anteil am eigenen Portfolio von unter 20 Prozent für sinnvoll. Weitere rund 28 Prozent wollten mindestens zu 20 Prozent in „grüne Werte“ gehen, rund 13 Prozent mit mindestens 40, 7 Prozent mit mindestens 60 und lediglich rund 4 Prozent mit mindestens 80 Prozent investieren.    

 

Dies sind zusammengefasst die Ergebnisse einer Befragung der DSW unter rund 150 privaten Anlegern, durchgeführt im August/September 2022.

 

„Auf Anlageberater kommen mit den neuen Vorgaben erhebliche Herausforderungen zu. Sie müssen nicht nur entsprechende Produkte verfügbar haben, sondern auch die jeweiligen Präferenzen und Vorstellungen der Kunden zum Thema erfragen. Zudem gibt es noch keine einheitlichen Standards für grüne Produkte oder ein entsprechendes, allgemein gültiges Label. Wenn klassische Produkte schlicht umdeklariert werden, können wir schnell beim Greenwashing landen“, sagt Jella Benner-Heinacher, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der DSW.

 

EU-Taxonomie noch unter ferner liefen

Am häufigsten wurden den befragten Anlegern bis dato Produkte nach dem Ausschluss-Prinzip angeboten, also jene, die bewusst nicht in bestimmte Geschäftsfelder investieren wie die Waffentechnik oder die Kohleindustrie (23,5 Prozent).

 

Darauf folgten Empfehlungen in Produkte mit gezielten Investitionen etwa im Bereich der erneuerbaren Energien oder der grünen Mobilität (19 Prozent) sowie Produkte, die negative Auswirkungen auf die Umwelt vermeiden, etwa mit Blick auf Treibhausgase (17,5 Prozent). Am unteren Ende der angebotenen Produkte finden sich dann erst solche, auf die die EU-Vorgaben der Taxonomie voll angewendet werden (10 Prozent).

 

Als Hauptinformationsquellen aller Befragten dienten: das Internet, das Produkt-Informationsblatt oder sonstige Verweise des Beraters. Von den Befragten, die nach der Beratung eine grüne Investition ins Auge fassen, wurden 65,7 Prozent über die erzielbare Rendite aufgeklärt, 59,7 Prozent über allgemeine Risiken und 56,7 Prozent über die Kosten.

 

„Generell halten wir es für richtig und wichtig, dass der Finanzmarkt mit Blick auf Klimaschutz und die weiteren ESG-Faktoren für die Transformation genutzt wird. Wir denken aber auch, dass der größte Hebel in der so genannten „alten Industrie“ liegt, indem diese sich ambitionierte Ziele setzt und diese auch konsequent verfolgt. Anleger sollten bei allem Engagement die Rendite, Kosten und Risiken nie außer Acht lassen. Jüngste Studien zeigen, dass grüne Investments aus Renditesicht nicht schlechter abschneiden als herkömmliche. Es lohnt sich also genau hinzuschauen“, sagt Jella Benner-Heinacher.

 

Die DSW wird Umfragen zu diesem Thema auch in 2023 weiter fortsetzen, um feststellen zu können, inwieweit das Thema ESG in der täglichen Anlageberatung in Zukunft verankert wird.

 

Unsere Checkliste zum Thema nachhaltiges Invest:

https://www.dsw-info.de/fileadmin/Redaktion/Dokumente/PDF/ESG/ChecklistefuerNachhaltigesInvestieren22neu.pdf

 

Kontakt:

Erik Bethkenhagen

Erik.bethkenhagen@dsw-info.de

0172/5786176

 

 

Mitglieder wenden sich bitte an die zuständigen DSW-Mitarbeiter.

Ansprechpartner für die Presse: Jürgen Kurz, Pressesprecher