Der große DSW-Depotcheck 2026

Die besten Depots für Privatanleger.

Niedrige Gebühren, breites Produktangebot, Top-Service, höchste Sicherheit und
einfache Usability: All diese Punkte machen heute ein hervorragendes Wertpapierdepot aus. 
Welche Bankdepots spitze sind
 

Andrew Bosworth, Technik-Vorstand bei Meta, rät Menschen, ihre Emotionalität einfach wie ein gut aufgestelltes Aktienportfolio zu verwalten. „Diversifiziert klug, investiert bewusst und geratet nicht in Panik, wenn der Markt einbricht“, sagt der Top-Manager.

Neben klugem Stock-Picking und guten Nerven brauchen Investoren auch ein hervorragendes Wertpapierdepot. Für Privatanleger ist es der zentrale Zugang zum Kapitalmarkt. Doch die Unterschiede zwischen etablierten Banken, Neobrokern, Direktbanken und öffentlich-rechtlichen Instituten sowie Genossenschaftsbanken sind dabei größer, als es auf den ersten Blick den
Anschein hat: Gebührenmodelle, Handelsplätze, Sparplanbreite, Servicequalität rund um Hauptversammlungen oder Quellensteuer sowie digitale Komfortfunktionen entscheiden im Alltag über die Höhe der Kosten, den Aufwand und sogar möglicherweise entgangene Rechte.

„Eine zentrale, umfassende Marktübersicht, wie sie etwa bei Giro- und Basiskonten durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht mit dem Kontenvergleich bereitgestellt wird, existiert für Wertpapierdepots leider nicht“, sagt Paul Maares, Referent für Kapitalmarkt und Anlegerschutz bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Daher brauche es unabhängige Vergleichstests, die Gebühren und angebotenen Leistungsumfang systematisch abbilden, unterstreicht Fachmann Maares.

Um diese „Wissenslücke“ zu schließen, haben jetzt FOCUS MONEY und die DSW in Zusammenarbeit mit nexum – einer führenden Digitalberatung – insgesamt 47 Institute mit ihren Depot-Offerten akribisch unter die Lupe genommen. „Die Erhebung ist zwar bewusst breit angelegt, kann allerdings den Gesamtmarkt in Deutschland natürlich nicht in Gänze abbilden“, betont Maares. Man habe im Rahmen der Analyse sowohl auf KI-gestützte Tools gesetzt als auch „händisch“ genau recherchiert.

Wichtig! „Um ein wirklich valides Bild zu gewinnen, haben wir mit den untersuchten Banken jedes Einzelergebnis abgeglichen, sodass alle Institute die Möglichkeit hatten, etwaige Unschärfen zu eliminieren“, betont Maares.

Im Mittelpunkt der Erhebung steht eine anlegerfreundliche Gesamtbewertung, die nicht nur „Billig-Depots“ belohnt, sondern insbesondere auch die Qualität von Angebot, Service, Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit sichtbar macht. Grundlage des umfangreichen Tests bilden insgesamt 45 Einzelkriterien, die unterschiedlichen Wertungskategorien zugeordnet und gewichtet wurden. Besonderes Gewicht erhalten hierbei aus DSW-Sicht wichtige anlegernahe Spezialleistungen wie HV-Einladungs- und Eintrittskartenservice, Eintragungsservice ins Aktienregister, Quellensteuer-Services sowie Steuersimulationen (Erläuterungen zur Methodik finden sich unten).

Gesamtsieger – das Comdirect Depot

An der Spitze der Gesamtwertung geht es eng zu. Das liegt vor allem daran, dass es mehrere sehr starke Allround-Anbieter gibt. Das Depot der Comdirect gewinnt die Gesamtwertung, weil das Institut in der Gesamtformel aus Kosten, Produktbreite und Service voll überzeugt. Hinzu kommt, dass die Direktbank in den Qualitätskategorien Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit ebenfalls sehr stark aufgestellt ist. In einem System, das Kosten und Leistungsumfang bewusst gemeinsam bewertet, ist gerade diese Breite entscheidend. Das erklärt auch, warum die Comdirect als Gesamtsieger aus dem Test hervorgeht, obwohl die Bank kostenseitig nicht in der Spitzengruppe vertreten ist.

Die ING landet mit ihrem Direkt-Depot knapp hinter der Comdirect. Sie punktet als stabile Universal- und Direktbank mit einem überzeugenden Gesamtpaket aus niedrigen Gebühren, breiter Produktofferte und gutem Digitalangebot.

Die Consorsbank holt mit ihrem Depot mit starkem Produktangebot und hoher Nutzerfreundlichkeit Platz drei.

Neben den drei Podestplätzen erreichen drei weitere Institute die Schwelle zur „Anlegerfreundlichsten Depotbank“ (ab 80 Punkten): Scalable Capital (PRIME+ Broker), S Broker (Einzeldepot) und Traders Place (Traders Place Depot). Die Bandbreite der Anbieter verdeutlicht: Anlegerfreundlichkeit ist nicht auf einen Institutstyp beschränkt, sondern an konkrete Leistungsprofile gebunden.

Smartbroker-Depot als Kostensieger

Die Kategorie „Kostensieger“ bündelt Depotführungsentgelt, Ordergebühren für eine Einzelorder, Gebühren für die Ausführung von Sparplänen sowie Sondergebühren rund um Hauptversammlungen, Aktienregister und Quellensteuer.

Genau diese DSW-Spezialthemen sorgen im Gebührenvergleich für eine realitätsnahe Abbildung: Ein günstiger Standard-Trade allein reicht nicht, wenn beispielsweise HV-Services oder steuerliche Zusatzleistungen kostenintensiv sind – oder gar nicht erst angeboten werden.

Smartbroker setzt sich mit dem Smartbroker+ Depot an die Spitze, weil das Modell bei klassischen Preishebeln und im Gesamtmix der Gebühren besonders konkurrenzfähig ist. Scalable Capital (PRIME+ Broker) und das Traders Place Depot folgen mit ebenfalls sehr niedrigen Gesamtkosten. Dass auch ING (Direkt-Depot), S Broker (Einzeldepot), Trade Republic, Finanzen.net zero und Flatex in der Kostensieger-Kategorie weit vorn liegen, zeigt: Der Preiswettbewerb ist in der Breite des Marktes angekommen und bleibt damit kein Alleinstellungsmerkmal der Neobroker. Auch ist zu erwähnen, dass der Bestplatzierte Smartbroker sowie der Drittplatzierte Traders Place als „Auftragsvermittler“ agieren und Handelsaufträge an Partner – in diesen Fällen die Baader Bank – weiterleiten, die die Abwicklung übernehmen. Kundengelder und Wertpapierdepots werden hierbei von der Baader Bank geführt. Gleiches gilt für den sehr günstigen Auftragsvermittler Finanzen.net zero, der Trades an die Baader Bank durchleitet, wo die Depots der Endkunden geführt werden.

Consorsbank mit dem besten Produktangebot

In der Kategorie „Bestes Produktangebot“ zählen vor allem die Handelsplätze, die Verfügbarkeit von Realtime-Kursen, Ordertypen, die Breite des Wertpapier- und Sparplanuniversums sowie Zusatzangebote wie Kinder- oder Gemeinschaftsdepots nebst der Möglichkeit automatischer Wiederanlage von Ausschüttungen. Hier gewinnt die Consorsbank, weil sie das Ziel einer „vollwertigen Depotplattform“ konsequent erfüllt und gut umsetzt: hohe Marktabdeckung, breite Produktgattungen und ein funktionsreiches Sparplan-Setup. Die marginal dahinterliegende Comdirect bestätigt ihre Allround-Stärke auch in dieser Kategorie. ING steht ebenfalls in der Spitzengruppe, was die Rolle großer Direktbanken als Produktanbieter mit einer hohen Markttiefe unterstreicht. Die definierte Schwelle für die Spitzengruppe (mindestens 20 Punkte) wird von zwölf Instituten erreicht.

Top-Service bei sechs Banken

Die Kategorie „Top-Service“ misst Service im engeren Sinn und bildet zugleich die Erleichterung der Ausübung zentraler Aktionärsrechte ab. Bewertet werden neben den verfügbaren Kundensupport-Kanälen angebotene HV-Services (Einladungen/Hinweise, Eintrittskarten- und Aktienregisterservices) und Quellensteuer-Services (u. a. Italien/Schweiz) sowie vorhandene Analystenempfehlungen.

Mit jeweils 15 Punkten erreichen Comdirect (Comdirect Depot), Santander Bank (Santander Wertpapierdepot), Sparkasse Münsterland Ost (S Broker DepotPlus), Stadtsparkasse München (S Broker DepotPlus), Kreissparkasse Köln (S Broker DepotPlus) und HypoVereinsbank (HVB SmartDepot) die maximale Bewertung. Weitere acht Institute erfüllen die Schwelle für das Siegel „Top-Service“. Diese Verteilung zeigt, dass gerade im Bereich der HV- und steuerlichen Zusatzleistungen klassische Bankhäuser und Sparkassen häufig konkrete Prozessstärken haben – ein Vorteil für aktive Aktionäre.

Safety first: höchste Sicherheit

Das Siegel „Höchste Sicherheit“ ist bewusst exklusiv: Es erhalten lediglich Institute, die mit vollen 5 Punkten bewertet wurden. Berücksichtigt werden in der geprüften Kategorie die Bereiche Einlagensicherung/Institutshintergrund, IT-Sicherheitsmerkmale (Sicherheitsabfragen und Schutzmechanismen, Transparenz von Log-in-Historien) sowie der Zugang zu wichtigen steuerrelevanten Dokumenten auch nach Kündigung. Hier erreichen Comdirect (Comdirect Depot), Scalable Capital (PRIME+ Broker), Traders Place (Traders Place Depot), Sparkasse Pforzheim Calw (S-Depot Online), Frankfurter Volksbank Rhein/Main (FVB DepotDirekt), Targobank (Direkt-Depot), Postbank (Postbank Wertpapier­depot), Stadtsparkasse Düsseldorf (PlusDepot) und VerbundVolksbank OWL (Wertpapierdepot) die Maximalpunktzahl.

Höchste Nutzerfreundlichkeit bei vier Instituten

Die Kategorie „Höchste Nutzerfreundlichkeit“ umfasst die Verfügbarkeit von Online-Banking, App-Zugang und Performance-Ansichten, das Vorhandensein von Komfortfunktionen wie Push-Mitteilungen, Preiswecker und Vorabhinweisen auf Dividendentermine und Kapitalmaßnahmen sowie steuernahe Tools wie automatische KapESt-Abführung und eine Steuersimulation. Die Maximalwertung von 10 Punkten erreichen Comdirect (Comdirect Depot), Consorsbank (Wertpapierdepot), Sparkasse Pforzheim Calw (S-Depot Online) und Stadtsparkasse Düsseldorf (PlusDepot). Zudem erfüllen weitere 13 Institute die Schwelle von mindestens 9 Punkten und erhalten ebenfalls das Siegel „Höchste Nutzerfreundlichkeit“. Damit zeigt sich: Digitale Exzellenz ist heute nicht nur ein Neobroker-Thema: Auch regionale Häuser können bei konkreten Alltagsfunktionen sehr weit vorn liegen.

Nachholbedarf in Sachen Transparenz

„Eine besondere Herausforderung der Erhebung war es generell, die tatsächlich maßgeblichen Konditionen und das vollständige Leistungsangebot der Anbieter sauber zu identifizieren“, sagt Dirk Steinmetz, Vorstand der nexum AG. Selbst grundlegende Informationen zu Preisen und Services seien oft nicht auf Anhieb auffindbar, sondern verteilten sich auf Preis- und Leistungsverzeichnisse, Sonderverzeichnisse oder spezielle (Sonder-)Bedingungen. „Das gilt insbesondere für anlegerrelevante Details rund um die Quellensteuer oder auch Eintragungen in Aktienregister, Vorabbefreiungsservices etc.“, erklärt Steinmetz: Ob es Erstattungsservices gibt, wie sie konkret ausgestaltet sind und welche Kosten etwa für sogenannte Tax Voucher anfallen, lasse sich häufig erst nach gezielter Rückfrage bei den Banken klären. Viele dieser Informationen werden auf den Webseiten nicht nachvollziehbar – teils gar nicht – kommuniziert. „Für Endkundinnen und Endkunden bleibt damit eine zentrale Hürde: Wie soll ein verlässlicher, transparenter Gesamtüberblick entstehen, der eine Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Anbieter ermöglicht, wenn wichtige Konditionen erst im Kleingedruckten oder auf Nachfrage sichtbar werden?“, so Fachmann Steinmetz.

Sonderfälle Sparkassen und Genossenschaftsbanken

Im Rahmen der Erhebung verdient das diversifizierte Produktangebot von Sparkassen und Genossenschaftsbanken (Sparda-Banken, Volks- und Raiffeisenbanken) eine ­gesonderte Einordnung. Viele der Institute bieten Depotkundinnen und -kunden neben eigenen Lösungen – etwa Beratungsdepots und hauseigenen Selbstentscheider-Depots – zusätzlich Zugang zu übergreifenden Plattformen ihrer Verbünde. Bei den Sparkassen ist hier vor allem der S Broker als gemeinsamer Online-Broker der Sparkassen-Finanzgruppe zu nennen. Mit Platz fünf im Gesamtranking zeigt das S Broker Einzeldepot, dass ein Verbundangebot öffentlich-rechtlicher Banken nicht nur bei der Leistungsbreite, sondern auch bei den Kosten mit Neobrokern und Direkt­banken konkurrieren kann. Auf genossenschaftlicher Seite (Sparda-Banken, Volksbanken und Raiffeisenbanken) hingegen wäre entsprechend der GENO Broker als Pendant hervorzuheben. Dieses Angebot konnte im Test allerdings leider nicht berücksichtigt werden. Die Sparda-Banken bieten Depots nur noch über den GENO Broker respektive die Vermittlung des Angebots von GENO Broker an.

Ergebnisse des Depotchecks

Methodik des Depotchecks