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Altersvorsorgedepot: „Kostenlos“ ist nicht automatisch das beste Angebot
DSW mahnt Kostentransparenz an und warnt vor Cross Selling-Falle
Düsseldorf, 29. Oktober 2026
Der Wettbewerb um das neue Altersvorsorgedepot nimmt Fahrt auf und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW) begrüßt den Start am 1. Januar 2027 ausdrücklich. Vor diesem Hintergrund hat die DSW die bislang veröffentlichten Angebote und Konditionen genauer unter die Lupe genommen.
Ihr Zwischenfazit: Anbieter werben mit kostenlosen Depots und erstatteten ETF-Kosten. Doch die Bedingungen unterscheiden sich teilweise erheblich, das Produktangebot variiert und viele Angebote sind noch nicht vollständig vergleichbar.
Im Dschungel der Zahlen und versteckten Kosten
Während die freien Depots mit individueller Anlagestrategie regelmäßig 1,0 Prozent pro Jahr oder mehr kosten können, zeigen sich die Standarddepots kostenseitig merklich günstiger.
Insbesondere Neobroker werben mit kostenloser Depotführung, kostenlosen Sparplänen und der Erstattung von ETF-Kosten. Einzelne etablierte Banken und Sparkassen bieten Standarddepots mit deutlich ermäßigten Entgelten von 0,1 Prozent an. Direktbanken stellen mitunter Prämien für die Depoteröffnung und Werbung von Freunden in Aussicht.
Bei diesen auf den ersten Blick sicher attraktiven Konditionen sollten Verbraucher jedoch genauer hinschauen. Denn oftmals sind die günstigen Einstiegskonditionen zeitlich begrenzt und die Kostenerstattung sowie Prämien stehen unter Vorbehalten, die im Kleingedruckten geregelt sind.
Der Gesetzgeber wollte für das Altersvorsorgedepot Transparenz und einfache Vergleichbarkeit. Die DSW ist besorgt, dass diese Ziele durch die verschiedenen Sonderregelungen der Anbieter konterkariert werden.
Mehr Übersichtlichkeit und Transparenz gefordert
„Wir als DSW fordern von den Anbietern mehr Übersichtlichkeit und Transparenz. Für einen fairen Vergleich muss ohne großen Aufwand erkennbar sein, welches Angebot auf Sicht von 5, 10 und mehr als 20 Jahren am besten zu dem jeweiligen Anleger passt“, betont Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW.
„Entscheidend sind daher die langfristigen Effektivkosten nach Abzug aller Aktionsangebote und befristeten Sonderkonditionen sowie das Angebot bei Anlageprodukten und Services", so Tüngler weiter.
Die Produktart zählt: Für das Standarddepot gilt ein gesetzlicher Effektivkostendeckel von 1,0 Prozent pro Jahr. Bei freien Depots können die Kosten höher liegen. Garantieprodukte können Renditechancen begrenzen und Mehrkosten verursachen.
Die DSW rät daher, die Angebote genau zu vergleichen und insbesondere die Zusagen auf der langfristigen Zeitschiene dabei im Auge zu behalten. Schließlich kommt es bei der Altersvorsorge auf langfristig verlässliche Konditionen an.
Vorsicht vor Cross-Selling!
„Wenn Kostenvorteile an weitere Konten, zusätzliche Produkte oder Handelsaktivitäten geknüpft sind, sollten Anleger misstrauisch sein und genau betrachten, ob sich das Gesamtpaket für sie lohnt“, so Tüngler.
Einmalige Startboni, zum Beispiel 50 Euro, sollten Anleger nicht von den langfristigen Kosten und dem Serviceangebot der Anbieter ablenken. Denn Altersvorsorge ist und bleibt ein langfristiges Projekt.
Wechsel-Services für alte Riesterverträge, die Entnahme für Wohneigentum und spätere Auszahlungsoptionen können im Einzelfall relevante Entscheidungskriterien sein, bei denen sich ein Vergleich der Anbieter lohnt.
„Anleger sollten ihre Entscheidung erst dann treffen, wenn vollständige Effektivkosten und konkrete Fondslisten vorliegen, die einen fairen Vergleich ermöglichen. Dies gilt insbesondere für zahlreiche Versicherungsunternehmen und Online-Direktbanken, die ihre Angebote noch vorlegen müssen“, sagt Tüngler.
Die DSW empfiehlt: Erst informieren, dann vergleichen und Anfang 2027 auf Basis vollständiger Produktinformationen entscheiden. Anleger sollten sich heute nicht vorschnell festlegen. Zudem gilt: Wer noch keinen Riester-Vertrag hat, sollte sich nicht durch vermeintlich letzte Abschlussgelegenheiten zu einem Neuabschluss drängen lassen.
Die DSW unterstützt Anlegerinnen und Anleger Anfang 2027 mit einem umfassenden und unabhängigen Produktvergleich, der auf www.dsw-info.de frei zugänglich zur Verfügung gestellt wird.
Mitglieder wenden sich bitte an die zuständigen DSW-Mitarbeiter.
Ansprechpartner für die Presse: Erik Bethkenhagen, Pressesprecher